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Research

Junge Erwachsene in der Gemeindepolitik – Einflussfaktoren auf deren Vertretung in Deutschschweizer Gemeindeexekutiven

Authors:

Curdin Derungs,

Fachhochschule Graubünden, CH
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Dario Wellinger

Fachhochschule Graubünden, CH
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Abstract

Many Swiss municipalities find it challenging to fill their local council executive offices with sufficiently qualified persons. Young adults under the age of 35 are particularly difficult to recruit for political offices, and are therefore clearly underrepresented in municipal authorities. The analysis of over 600 local communities in German-speaking Switzerland shows which factors influence the share of young adults in local council executive offices, i.e. young adults are rather engaged in council executive offices, where the number of meetings are limited and its frequency is flexible. Moreover, structural and political factors also matter. Political mandates outside of council offices offers opportunities for participation on a low threshold level and are attractive options for young adults to gain initial political experiences. Furthermore, the professionalization of local council executive offices seems to discourage young people from engaging in local politics. An important reform measure is to build up a pool of politically interested young adults who can be contacted directly if necessary. Overall, the results show, that the measures Swiss municipalities have implemented so far have not been sufficiently targeted at young adults.

 

Abstrakt


Viele Schweizer Gemeinden haben Mühe, ihre Gemeindeexekutiven mit genügend qualifizierten Personen zu besetzen. Insbesondere junge Erwachsene bis 35 Jahre sind kaum für die politische Mitarbeit zu gewinnen und dadurch in Gemeindebehörden deutlich untervertreten. Die Analyse von über 600 Gemeinden in der Deutschschweiz zeigt, welche Faktoren den Anteil junger Erwachsener in den Gemeindeexekutiven beeinflussen. Dieser ist in Gemeinden höher, wo die Anzahl Sitzungen begrenzt und der Sitzungsrhythmus flexibel gestaltet wird. Auch strukturelle und politische Faktoren spielen eine Rolle. Auf der einen Seite ermöglichen politische Mandate ausserhalb der Gemeindeexekutive jungen Erwachsenen, leichter und niederschwellig in die Gemeindepolitik einzusteigen sowie erste politische Erfahrungen zu sammeln. Zugleich hält die Professionalisierung der Gemeindeexekutive junge Erwachsene eher von einem Engagement ab. Auf der anderen Seite hilft ein Kandidierendenpool mit interessierten jungen Erwachsenen, die im Bedarfsfall direkt für eine Kandidatur angesprochen werden. Insgesamt weisen die Ergebnisse darauf hin, dass die Gemeinden ihre bisher durchgeführten Massnahmen zu wenig gezielt auf junge Erwachsene ausgerichtet haben.
 
 
Schlagwörter: Gemeindeexekutive; junge Erwachsene; Rekrutierung; Reformen
How to Cite: Derungs, C., & Wellinger, D. (2020). Junge Erwachsene in der Gemeindepolitik – Einflussfaktoren auf deren Vertretung in Deutschschweizer Gemeindeexekutiven. Jahrbuch Der Schweizerischen Verwaltungswissenschaften, 11(1), 81–93. DOI: http://doi.org/10.5334/ssas.130
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  Published on 12 Jun 2020
 Accepted on 08 Apr 2020            Submitted on 13 Sep 2019

1 Ausgangslage

Die demokratische Tradition der Schweiz zeichnet sich nicht nur durch regelmässige Wahlen und Abstimmungen aus, sondern auch durch die Möglichkeit der Bürgerinnen und Bürger, aktiv in den Exekutivgremien und Kommissionen an der Gemeindepolitik mitwirken zu können. Gerade auf kommunaler Ebene fallen aufgrund der hohen Anzahl an Gemeinden (2’202 per 01.01.2020) am meisten Ämter an. Es dürfte sich um rund 100‘000 politische Ämter handeln (Ladner 2015), deren Besetzung sich jedoch als herausfordernd erweist. Schweizweit bekunden rund die Hälfte aller Gemeinden Schwierigkeiten, vakante Ämter in der Gemeindeexekutive mit geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten zu besetzen (Steiner, Kaiser & Reichmuth 2017). Ausserdem kommt es oft vor, dass sich nicht mehr Kandidierende zur Verfügung stellen, als Sitze zu vergeben sind (Ladner 2011). Um den Rekrutierungsproblemen beizukommen, werden verschiedene Reformen der Milizorganisation in den Gemeinden vorgeschlagen und kritisch diskutiert (Dlabac et al. 2014).

Aufgrund des demografischen Wandels ist zu erwarten, dass das Schweizer Milizsystem weiter unter Druck bleibt. Umso wichtiger wäre es, wenn auch junge Erwachsene vermehrt den Weg in die Gemeindeexekutiven finden würden. Besonders diese Zielgruppe lässt sich bis anhin kaum für ein politisches Amt in der Gemeinde motivieren. So sind junge Erwachsene in den Schweizer Gemeindeexekutiven deutlich untervertreten. Dies gilt ebenfalls für kommunale Ämter in Deutschland (z.B. für das Bundesland Nordrhein-Westfalen vgl. Bogumil, Garske & Gehne 2017: 36). Gemäss aktuellen Hochrechnungen sind in der Schweiz heute lediglich 5.6 Prozent der Gemeindeexekutivmitglieder unter 35 Jahre alt (Derungs & Wellinger 2019: 6, ähnliche Ergebnisse in: Geser 2010: 7, Geser et al. 2011: 16). Damit sind junge Erwachsene in den Gemeindeexekutiven unzureichend repräsentiert.

Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, wie stark die Rekrutierungsschwierigkeiten bei jungen Erwachsenen in den Deutschschweizer Gemeinden ausgeprägt sind und welche Faktoren die unzureichende Vertretung junger Erwachsener in den Gemeindeexekutiven erklären. Auf dieser Basis ist zu diskutieren, welche Reformmassnahmen in den Gemeinden umzusetzen sind.

2 Stand der Forschung

Seit über zwanzig Jahren klagen sowohl Gemeinden als auch Lokalparteien über die schwierige Suche nach Kandidierenden für die Gemeindebehörden (Geser et al. 2011: 101). Dies hat sich in jüngster Zeit nicht zum Besseren gewendet (Dlabac et al. 2014; Derungs & Wellinger 2019; Steiner, Kaiser & Reichmuth 2017). Über mögliche Reformmassnahmen zur Verbesserung der Attraktivität der Ämter wird seit längerem diskutiert und einzelne Massnahmen wie die Erhöhung der finanziellen Entschädigung oder die Verkleinerung der Exekutiven umgesetzt. Nach wie vor sind die Exekutivämter in den Gemeinden durch steigende fachliche Anforderungen, eine hohe zeitliche Belastung bei teilweise bescheidener finanzieller Entschädigung und geringer Wertschätzung gekennzeichnet (Ladner 2019: 260ff.). All dies macht es schwierig, die Gemeindeexekutiven mit genügend und qualifizierten Personen zu besetzen.

Die politische Partizipation von jungen Erwachsenen wurde in der Schweiz bisher hinsichtlich verschiedener Aspekte und Altersdefinitionen wissenschaftlich untersucht. Bestehende Untersuchungen fokussieren sich oft auf Jugendliche bis 16 Jahren oder auf junge Erwachsene bis 25 Jahren. Im Kontext der politischen Partizipation stand vor allem die Teilnahme an Wahlen und Abstimmungen (Überblick in: Koller 2017) oder das Spektrum institutioneller und informeller Partizipationsformen unter jungen Erwachsenen im Fokus (Rothenbühler, Ehrler & Kissau 2012). Insbesondere wurde der Einfluss von individuellen Faktoren wie Geschlecht, Zeit, Bildung und anderen sozioökonomischen Eigenschaften in der politikwissenschaftlichen Forschung eingehend untersucht (u.a. Brady, Verba & Schlozman 1995; Verba, Burns & Schlozman 1997; Milligan, Moretti & Oreopoulos 2004; Kasara & Suryanarayan 2015). Entsprechende Studien liegen auch für die Schweiz vor – z.B. zum Anstellungsstatus (Lorenzini & Giugni 2012), zur Vereinsmitgliedschaft (Von Erlach 2005; Schulz & Bailer 2012; Born 2014) oder zu ausgewählten politischen Themen (Alpiger & Vatter 2017). Zudem sind vereinzelt Forschungsarbeiten zu finden, die sich allgemein mit dem Profil der Exekutivmitglieder in der Schweiz (Geser et al. 2011) und deren Motivation befassen (Ketterer, Güntert & Wehner 2015; Ritz 2015).

Warum hingegen junge Erwachsene zwischen 25 und 35 Jahre ein öffentlich politisches Amt in der Gemeinde anstreben und was sie daran hindert, wurde empirisch kaum untersucht. Gemäss neuen Analysen besteht in der Schweiz bei den unter 35-Jährigen ein erhebliches Rekrutierungspotenzial. Junge Erwachsene besitzen grundsätzlich politisches Interesse und eine substantielle Minderheit von knapp 20 Prozent kann sich auch vorstellen, ein politisches Amt auf Stufe Gemeinde zu übernehmen (Derungs & Wellinger 2019). Offen bleibt, welche institutionellen Faktoren die Rekrutierung resp. die Wahl junger Erwachsener in die Gemeindeexekutiven beeinflussen. Vertiefte empirische Kenntnisse würden hier Gemeinden helfen, mit gezielten Reformmassnahmen das Potenzial besser abzuschöpfen. Dies soll im folgenden Beitrag beleuchtet werden.

3 Konzeptionelle Grundlagen und Methodik

3.1 Theoretisches Modell

Die bestehenden theoretischen Grundlagen zur politischen Partizipation bieten einige Erklärungsansätze, die sich auf das politische Engagement auf lokaler Ebene fokussieren. Als Ausgangspunkt dient oft das Ressourcenmodell von Brady, Verba & Schlozman (1995). Basis des Modells sind neben sozioökonomischen Faktoren vor allem auch Ressourcen wie Zeit, Geld sowie organisationale und kommunikative Fähigkeiten (sogenannte Civic skills). Diese wurden im Civic Voluntarism Model (Verba, Schlozman & Brady 2001) durch das politische Interesse, politische Information, politisches Wirksamkeitsempfinden und der Identifikation mit einer politischen Partei ergänzt. All diese Faktoren beeinflussen die Motivation, sich freiwillig oder politisch zu engagieren. Dies wiederum wurde in zahlreichen Studien untersucht (u.a. Clary & Snyder 1999; Balian & Gasparyan 2017) und in verschiedenen Theorien verankert, wie beispielsweise in der Public-Service-Theorie (Perry & Wise 1990) und der Selbstbestimmungstheorie (Ryan & Deci 2000; Lilleker & Koc-Michalska 2017).

Bis anhin vernachlässigen die Ressourcenmodelle und Motivationstheorien oft die politisch-institutionellen Faktoren und staatlichen Strukturen (Rubenson 2000). Nur vereinzelt werden institutionelle Faktoren ergänzt (z.B. Bühlmann & Freitag 2006; Barrett & Brunton-Smith 2014). Im Speziellen berücksichtigen Ladner & Bühlmann (2007) in ihrem Wirkungsmodell zur Qualität der lokalen Demokratie neben Individualfaktoren auch institutionelle Eigenschaften der Gemeinde, worunter auch das lokale Wahlsystem, die Gemeindeorganisation und die Grösse der lokalen Exekutive fallen.

Auf Basis dieser Erklärungsansätze wurde in einem explorativen Forschungsdesign ein theoretisches Modell erarbeitet, das institutionelle Aspekte in den Vordergrund rückt (vgl. Abbildung 1). Dazu wurden 38 potenzielle Einflussfaktoren in fünf Gruppen thematisch zusammengefasst und hinsichtlich ihrer Wirkung auf den Anteil junger Erwachsener in Gemeindeexekutiven untersucht.

Abbildung 1 

Exploratives Modell mit Einflussfaktoren.

A. Attraktivität des Amtes

Die verfügbare Zeit der Kandidierenden ist gemäss Ressourcenmodell (Brady, Verba & Schlozman 1995) eine entscheidende Voraussetzung für die erfolgreiche Rekrutierung. Nachweislich ist das Exekutivamt in einer Gemeinde zeitintensiv. So zeigen aktuelle Studien, dass der Aufwand aus Sicht der Amtsträger gestiegen ist (Freitag, Bundi & Flick Witzig 2019). Der grösste Anteil dieser Arbeit beläuft sich auf die Teilnahme an Sitzungen, Aktenstudium, Repräsentationsaufwand und ausserordentliche Projekte. Die finanzielle Entschädigung wird in diesem Kontext kontrovers diskutiert. Eine Erhöhung der Bezüge führt zwar zu finanziell attraktiveren Gemeindeämtern, allerdings auch zu höheren Ausgaben an öffentlichen Mitteln (Flick Witzig & Vogt Gehri 2013). Obschon mehr als ein Drittel der befragten Amtsträger die Entschädigung als zu gering einstufen (Freitag, Bundi & Flick Witzig 2019), bleibt unklar, ob eine höhere Entschädigung der Exekutive tatsächlich die Rekrutierung geeigneter Kandidierenden vereinfacht. Denn auch die Anerkennung in der Öffentlichkeit und der Gestaltungsfreiraum der Gemeindeexekutive spielen für die Attraktivität der Exekutivmandate eine wichtige Rolle (Ladner 2015; Derungs & Wellinger 2019). Es gibt Hinweise dafür, dass für die Miliztätigkeit in den Gemeinden von der breiten Öffentlichkeit (zu) wenig Wertschätzung entgegengebracht wird und dies die Bereitschaft zu kandidieren stärker beeinträchtigt als die finanzielle Entschädigung (Ketterer, Güntert & Wehner 2015; Freitag, Bundi & Flick Witzig 2019). Alle diese Einflussfaktoren wirken direkt auf die wahrgenommene Attraktivität des Exekutivamtes und wurden hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Vertretung junger Erwachsener in den Gemeindeexekutiven untersucht. Die Einschätzungen dieser Eigenschaften wurden mittels einer 5-Likert-Skala abgefragt (vgl. Anhang 1).

B. Milizstrukturen

Neben Faktoren, welche die Ausgestaltung des Exekutivamtes direkt prägen, sind strukturelle Systemeigenschaften zu berücksichtigen, die eng mit der Vereinbarkeit mit dem Milizsystem zusammenhängen. Diese zeigen sich in der Milizkompatibilität auf systemischer Ebene und werden auch in der Public-Service-Theorie (Perry 2000) als eigene Einflussvariable auf die Motivation berücksichtigt. Es ist davon auszugehen, dass die Gemeinde mit der Ausgestaltung ihrer Behördenstrukturen – z.B. zusätzliche Mandate der Exekutive in regionalen Behörden und Beteiligungen der Gemeinde oder der Professionalisierungsgrad (Steiner, Fiechter & Kaiser 2012, Ladner et al. 2013) – das Rekrutierungspotenzial bei jungen Erwachsenen beeinflusst. Auch das Aufgabenspektrum und die organisatorische Ausgestaltung der Ämter – namentlich das Gemeindeführungs- und Entschädigungsmodell – hängen mit dem Stellenprofil resp. formalen Kompetenzen (Bürkler & Lötscher 2014) zusammen und beeinflussen damit möglicherweise die Vereinbarkeit mit dem Milizsystem. Die Fragen wurden mittels numerischer Angaben oder einer ja/nein-Frage abgefragt.

C. Wahl- und Rekrutierungsprozess

Gemäss dem Civic Voluntarism Model von Verba et al. (2001) spielen die sozialen Netzwerke in der Rekrutierung eine mitbestimmende Rolle. Es ist zu vermuten, dass dem Wahl- und Rekrutierungsprozess bei jungen Erwachsenen eine höhere Bedeutung als bei älteren Personen zukommt. Davon ist auszugehen, weil junge Leute häufig ein kleineres persönliches Netzwerk, weniger Wissen über die örtlichen politischen Strukturen bzw. Akteure und in der Regel ein weniger stark ausgeprägtes Selbstbewusstsein vorweisen. Diesen Aspekten wurde in der Forschung im Hinblick auf die Behördenrekrutierung in Gemeinden bisher wenig Beachtung geschenkt (Geser 2012, 23f.). Dabei zeigt sich, dass junge Erwachsene in der Schweiz selten als Kandidierende für die Gemeindeexekutive angefragt werden (Derungs & Wellinger 2019). Schliesslich ist das Prozesswissen als weiterer Einflussfaktor einzubeziehen. Dieses bildet ab, wie viel junge Erwachsene und die übrige Bevölkerung über den Ablauf der Rekrutierung, Nomination und Wahl wissen. Zugleich sind junge Erwachsene im Wahl- und Rekrutierungsprozess besonders auf eine externe Begleitung angewiesen. Deshalb wird untersucht, wie wichtig externe Unterstützer – z.B. der aktuelle Amtsinhaber, Vereine, bekannte Personen aus der Bevölkerung – für die Rekrutierung und Wahl sind (Geser et al. 2011: 88). Die Einschätzungen wurden mittels einer 5-Likert-Skala abgefragt.

D. Kandidierende

Des Weiteren wurde mit Blick auf die Kandidierenden personenbezogene Einflussfaktoren berücksichtigt. Es wurde abgefragt, ob genügend junge Erwachsene als potenzielle Kandidierende zur Verfügung stehen und diese sich in der Gemeinde politisch engagieren oder zumindest politisch sensibilisiert sind. Zudem wurde mit Rückgriff auf das Ressourcenmodell (Verba 1995) erfasst, inwiefern die bisherigen Kandidierenden die notwendigen Kompetenzen mitbringen und ob sich mehr Kandidierende als zu vergebende Sitze zur Verfügung stellen, so dass die Stimmbevölkerung eine «echte» Auswahl an Kandidierenden hat (Geser et al. 2011: 97).

E. und F. Strukturelle und politische Rahmenbedingungen

Gemäss der Public-Service-Theorie beeinflussen die institutionellen Rahmenbedingungen die persönliche Motivation, ein politisches Engagement aufzunehmen (Perry 2000). Demzufolge haben die strukturellen und politischen Faktoren einen Einfluss auf die Schwierigkeiten, Gemeindeexekutiven im Allgemeinen zu besetzen. So ist bekannt, dass grössere Gemeinden weniger Rekrutierungsschwierigkeiten aufweisen als mittlere und kleinere Gemeinden (Ladner et al. 2013: 15; Ladner 2019: 267). Mit den vorliegenden Daten will diese Untersuchung überprüfen, ob dies auch für die Vertretung von jungen Erwachsenen in der Gemeindeexekutive gilt und inwiefern sich andere Faktoren wie die Raumtypologie (städtisch, intermediär, ländlich), die Bevölkerungsdichte, die Grossregion sowie politische Variablen wie ein Gemeindeparlament oder das Wahlverfahren darauf auswirken.

3.2 Datenerhebung und -auswertung

Die Untersuchungen basieren auf den Daten einer Umfrage bei allen Deutschschweizer Gemeinden. Der Fragebogen stand den Gemeindeschreiberinnen und -schreibern als Print- und Online-Version zur Verfügung (vgl. Fragebogen in Anhang 1). Die Umfrage erfolgte im Zeitraum vom 01.10.2017 bis zum 31.10.2017. Von den 1’454 angeschriebenen Gemeinden haben 603 Gemeinden den Fragebogen vollständig und verwertbar ausgefüllt (344 Print-Version/259 Online-Umfrage), was einer Rücklaufquote von 41.47 Prozent entspricht.

In einem ersten Schritt wurde geprüft, inwiefern der Anteil an jungen Erwachsenen in den Gemeindeexekutiven mit den zu untersuchenden Einflussfaktoren zusammenhängt. Dazu liessen sich für jeden einzelnen Einflussfaktor die Korrelationskoeffizienten als Pearson Produkt-Moment Korrelation in SPSS berechnen.1 Für 18 Einflussfaktoren wurde eine signifikante Korrelation nachgewiesen (vgl. Anhang 3) und nachfolgend eine vertiefende Analyse durchgeführt.2 Hierzu ist es zweckmässig, die Wirkung dieser 18 Einflussfaktoren sowohl auf die (32) Gemeindegrösse als auch auf die (15) Finanzielle Entschädigung pro Mitglied zu kontrollieren. Dies erfolgte mittels semipartieller Korrelation, womit sich der «reine» Einfluss des einzelnen Einflussfaktors «auspartialisieren» lässt.

Die Stichprobe wurde hinsichtlich ihrer Grössenverteilung mit der Grundgesamtheit verglichen. Die Anteile der sehr kleinen und kleinen Gemeinden (bis 499 Einwohner und 500–999 Einwohner) sind etwas unterrepräsentiert (vgl. Tabelle 1). Trotz marginaler Abweichungen wurden die Antworten nach Einwohnerkategorie gewichtet und in den publizierten Ergebnissen berücksichtigt. Vergleichsanalysen zeigen, dass sich die Signifikanzen der Einflussfaktoren kaum ändern, wenn auf eine Gewichtung verzichtet oder alternativ mit den Kriterien Kanton, Grossregion und Gemeindetyp gewichtet wird (hier nicht dargestellt). Es stellt sich heraus, dass die Stichprobe auch hinsichtlich dieser Kriterien gut repräsentiert ist (vgl. Anhang 2).

Tabelle 1

Vergleich Grundgesamtheit mit Stichprobe anhand der Einwohnerzahl.


Einwohner Grundgesamtheit Stichprobe Abweichung Gewichtungsfaktor

bis 499 13.52% 11.70% 1.82% 1.16
500–999 16.55% 13.70% 2.85% 1.21
1’000–1’999 23.03% 19.50% 3.53% 1.18
2’000–4’999 26.69% 30.30% –3.61% 0.88
5’000–9’999 12.55% 15.30% –2.75% 0.82
10’000–19’999 5.66% 6.40% –0.74% 0.88
20’000 und mehr 2.00% 3.10% –1.10% 0.65

3.3 Limitationen

Trotz der hohen Rücklaufquote und der repräsentativen Verteilung der teilnehmenden Gemeinden haben die vorliegenden Studienergebnisse punktuelle Limitationen. So sind nur Deutschschweizer Gemeinden berücksichtigt. Gerade dem Einfluss von Westschweizer Spezifika wie beispielsweise der stärkeren Verbreitung von Gemeindeparlamenten auch in kleineren Gemeinden, wird dadurch für eine schweizweite Betrachtung zu wenig Rechnung getragen.

Eine zweite Limitation betrifft die Befragungsadressaten. Die Gemeindeschreiberinnen und -schreiber können die Entwicklungen in einer Gemeinde oftmals über einen längeren Zeitraum verfolgen als die für eine bestimmte Zeit gewählten Politikerinnen und Politiker. Jedoch sind sie von der Rekrutierungsproblematik nur indirekt betroffen. Des Weiteren richten sich die Reformen in den Gemeinden zur Verbesserung der Rekrutierung primär an (junge) Kandidierende. Die Gemeindeschreiberinnen und Gemeindeschreiber können zwar die Wirkungen der Reformen als externe Beobachter einschätzen. Unter Umständen unterscheidet sich diese Perspektive von der Einschätzung der Mitglieder in den Gemeindeexekutiven und der potenziellen Kandidierenden. Diese Limitation trifft allerdings auch auf andere Studien wie z.B. auf das Gemeindemonitoring zu (Ladner et al. 2013: 2).

Die hier dargestellten Korrelations- und partiellen Regressionsanalysen zeigen Zusammenhänge zwischen Variablen auf, implizieren jedoch keine statistischen Kausalzusammenhänge. Diese werden in der vorliegenden Studie logisch-theoretisch hergleitet. Ein statistischer Zusammenhang kann aus verschiedenen Gründen zustande kommen, unter anderem auch von anderen, in der Forschungskonzeption nicht berücksichtigten und damit folglich unbeobachteten Variablen ausgehen (Tabachnick & Fidell, 2013: 122). Zusätzlich gilt zu beachten, dass Signifikanz keinen Ersatz für Relevanz darstellt. Ein statistisch signifikanter Unterschied entspricht noch keiner sozialwissenschaftlich relevanten Beziehung. Diese kann nur durch die Ergänzung von sozialwissenschaftlich-theoretischen Überlegungen erfolgen (Atteslander, 2010: 315). Diese werden im vorliegenden Artikel unter Schlussfolgerungen in Kapitel 5 dargelegt.

Eine weitere Limitation betreffen mögliche Kohorteneffekte. Die vorliegende Studie untersucht nicht, inwiefern sich die Einstellung der heutigen jungen Generation zu einem politischen Engagement in der Gemeindeexekutive im Vergleich zu früheren Generationen unterscheidet. Mobilität, Individualisierung und Digitalisierung könnten gerade die junge Generation in ihrer Einstellung zu einem Gemeindeamt prägen. Hierfür ist eine umfassende sozialwissenschaftliche Untersuchung notwendig, die den Rahmen dieser Untersuchung übersteigt.

4 Ergebnisse

4.1 Rekrutierungsschwierigkeiten und Vertretung junger Erwachsener in Gemeindeexekutiven

Die Suche nach geeigneten Personen für die Gemeindeexekutiven hat sich in den letzten 20 Jahren erheblich erschwert. Die Umfrage bei N = 603 Schweizer Gemeinden zeigt, dass mit 35.3 Prozent mehr als ein Drittel erhebliche Schwierigkeiten bei der Besetzung der Gemeindeexekutive im Allgemeinen bekundet. Im Falle von jungen Erwachsenen erhöht sich dieser Anteil massgeblich. Mit 70.2 Prozent verzeichnen über zwei Drittel der befragten Gemeinden Schwierigkeiten, junge Erwachsene unter 35 Jahren für die Gemeindeexekutive zu rekrutieren (vgl. Tabelle 2). Folglich sind Gemeinden in der Rekrutierung von jungen Erwachsenen erheblich häufiger mit Schwierigkeiten konfrontiert als in der Rekrutierung über alle Altersgruppen hinweg betrachtet.

Tabelle 2

Detailanalyse – Rekrutierungsschwierigkeiten.


Mühe mit Rekrutierung im Allgemeinen, Anteil Gemeinden in %

nein neutral ja Gesamt

Mühe mit Rekrutierung von jungen Erwachsenen, Anteil Gemeinden in % nein 10.3% 1.2% 1.5% 13.1%
neutral 12.2% 1.9% 2.6% 16.7%
ja 33.2% 5.9% 31.2% 70.2%
Gesamt 55.8% 9.0% 35.3% 100.0%

Die Detailanalyse auf Basis der Häufigkeitsverteilung der Gemeinden mit Rekrutierungsproblemen vermittelt zudem ein differenzierteres Bild. Zum einen wird ersichtlich, dass nur ein kleiner Anteil von 10.3 Prozent der Gemeinden keine Rekrutierungsschwierigkeiten hat, weder im Allgemeinen noch bei jungen Erwachsenen im Speziellen. Dagegen treten in 31.2 Prozent der Gemeinden die Rekrutierungsschwierigkeiten sowohl im Allgemeinen als auch bei den Jungen auf. Zum anderen haben immer noch 33.2 Prozent der Gemeinden mit der Rekrutierung junger Erwachsener Mühe, obschon sie generell ihre Gemeindeexekutive ausreichend besetzen können. Dabei erstraunt es nicht, dass die Rekrutierungsschwierigkeiten signifikant und erheblich mit dem tatsächlichen Anteil junger Erwachsener in den Gemeindeexekutiven korrelieren (r = 0.278, p < .000).

Die deskriptive Analyse der relativen Vertretung junger Erwachsener in Gemeindeexekutiven zeigt in Tabelle 3, dass in gut 70 Prozent der Gemeinden niemand jünger als 35 Jahre alt ist. In knapp 13 Prozent sind es maximal 19.9 Prozent, d.h. ein Sitz von sieben oder von neun sind mit jungen Erwachsenen besetzt. Ausserdem hat in 14 Prozent der Gemeinden exakt eine junge Person einen Sitz von fünf in der Gemeindeexekutive inne (entspricht einem Anteil von 20 Prozent) und in weiteren 4 Prozent der Gemeinden übersteigt der Anteil die Schwelle von 20 Prozent. Zusammengefasst ist festzustellen: Häufig sind junge Erwachsene in den Gemeindeexekutiven nicht vertreten und falls doch, in der Regel mit einem Sitz.

Tabelle 3

Detailanalyse – Vertretung junger Erwachsener in Gemeindeexekutiven.


Häufigkeit Prozent

Anteil junger Erwachsener in der Gemeindeexekutive, in % 0% 387 69.1%
0.1–19.9% 71 12.7%
20% 80 14.2%
>20% 22 3.9%
Gesamt 559 100%

Insgesamt weisen die Ergebnisse der deskriptiven Analyse auf ein massgebliches Verbesserungspotenzial hin. Daher ist es von übergeordnetem Interesse, die Rekrutierungsproblematik bei jungen Erwachsenen gesondert zu betrachten und mögliche Massnahmen zur Verbesserung der Rekrutierung zu analysieren. Im Folgenden wird untersucht, welche Faktoren den Anteil junger Erwachsener in den Gemeindeexekutiven potenziell beeinflussen (vgl. Übersicht in: Abbildung 1, detaillierte Auswertung in Anhang 3).

4.2 Einflussfaktoren

4.2.1 Überblick

Von den insgesamt 38 untersuchten möglichen Einflussfaktoren leisten 18 einen potenziellen Erklärungsbeitrag. D.h. für diese liegen signifikante Korrelationen mit dem Anteil junger Erwachsener in den Gemeindeexekutiven vor (r Korrelationskoeffizient nach Pearson). Werden diese auf die Variablen Einwohner (32) und finanzielle Entschädigung pro Mitglied (15) kontrolliert, bleiben insgesamt 11 Einflussfaktoren gemeinsam signifikant. Sie sind in Tabelle 4 schwarz markiert.

Tabelle 4 

Analyse der Einflussfaktoren – Semipartielle Korrelationsanalyse.

Mit der semipartiellen Korrelationsanalyse konnte in einem explorativen Verfahren die ursprünglich grosse Anzahl an potenziellen Einflussfaktoren von 38 auf 11 reduziert werden, die zugleich alle thematischen Gruppen von A bis F vertreten3 (vgl. Abbildung 1). Offenbar liegen die Unterschiede in der Vertretung junger Erwachsener in verschiedenen institutionelle Ursachen begründet. Insgesamt ist allerdings festzustellen, dass die einzelnen Korrelationskoeffizienten lediglich geringe bis mittlere Effektstärke aufweisen. Dies deutet darauf hin, dass es keinen dominanten Einflussfaktor gibt, auf den die Vertretung junger Erwachsener in Gemeindeexekutiven hauptsächlich zurückzuführen ist. Ausserdem zeigen die Detailergebnisse (vgl. Anhang 3), dass die beiden Kontrollvariablen in hohem Masse mit anderen Erklärungsfaktoren korrelieren – im Falle der Gemeindegrösse (Einwohner 2017) sind es 24, im Falle der finanziellen Entschädigung pro Mitglied – als Indikator für die Professionalisierung der Gemeindeexekutive – sind es deren 26. Dies ist ein Indiz dafür, dass diese beiden Faktoren die unterschiedliche Besetzung von Gemeindeexekutiven mit jungen Erwachsenen mitprägen.

4.2.2 Interpretation der Ergebnisse

A. Attraktivität des Amtes

In der Praxis wird immer wieder hervorgehoben, dass die Ausgestaltung des Exekutivamtes entscheidend ist, um junge Erwachsene für dieses politische Mandat zu begeistern. Die Ergebnisse zeigen hier gemischte empirische Evidenz. Nur wenige Einflussfaktoren weisen hinreichenden Erklärungsgehalt auf. Tatsächlich beeinflussen die (3) Sitzungszahl, die (4) Flexibilität des Sitzungsrhythmus sowie das (6) Image der Gemeindeexekutive und die (8) Gestaltungsmöglichkeiten die Bereitschaft der jungen Erwachsenen, sich für die Gemeindeexekutive zur Verfügung zu stellen. Andere Faktoren – z.B. der (2) der Aufwand, die (9) Vereinbarkeit mit dem Beruf und (5) als öffentliche Person exponiert zu sein – scheinen von untergeordneter Bedeutung zu sein.

Dass Gemeindebehörden mit begrenzten und flexiblen Einsatzzeiten den Bedürfnissen junger Erwachsener entsprechen, ist nachvollziehbar. Gerade für junge Personen kommt der beruflichen Entwicklung und Karriere eine übergeordnete Priorität zu (vgl. Derungs & Wellinger 2019: 16). Insbesondere die hohe Sitzungsanzahl und die zeitlichen Anforderungen, die mit dem Amt in der Gemeindeexekutive einhergehen, spielen für die Rekrutierung junger Erwachsener eine wichtige Rolle. Dies stützt die These, dass die zunehmende Mobilität, die damit verbundenen längeren Pendlerstrecken und die gestiegene zeitliche Belastung im Beruf mit politischen Ämtern in der Gemeinde konkurrieren.

Weiter wird immer wieder angeführt, dass das Image der Gemeindeexekutive in den letzten Jahrzehnten stark gelitten und diese an Anziehungskraft für gut qualifizierte Personen eingebüsst hätte. Dies und die ständige Kritik an Amtspersonen der Gemeinde schrecke viele – insbesondere Junge – von einer Kandidatur ab. Die vorliegenden Resultate können dies nicht eindeutig bestätigen. Etwas überraschend hingegen führen mehr Gestaltungsmöglichkeiten nicht zwangsläufig zu einer besseren Vertretung der jungen Generation in der Gemeindeexekutive. Offenbar lässt sich die Rekrutierungsproblematik bei Jungen mit dem Ausbau formeller Kompetenzen der Gemeindeexekutive alleine nicht lösen.

B. Milizstrukturen

In Gemeinden, die neben der Gemeindeexekutive zahlreiche weitere (12) Behörden, z.B. in Kommissionen, zu besetzen und (18) Zusatzmandate zu vergeben haben, z.B. Delegierte in Gemeindeverbänden, sind junge Erwachsene in der Exekutive besser vertreten. Möglicherweise erlauben politische Mandate ausserhalb der Gemeindeexekutive jungen Erwachsenen, leichter in die Gemeindepolitik einzusteigen und erste politische Erfahrungen zu machen. Ausserdem hält die Professionalisierung der Gemeindeexekutive junge Erwachsene eher von einem Engagement ab. Dies zeigt sich bezüglich der (14) Stellenprozente für die Mitglieder der Gemeindeexekutive. Ansonsten lässt sich kein systematischer Zusammenhang zwischen der strukturellen Milizverträglichkeit der Exekutivämter und deren Besetzung mit jungen Erwachsenen beobachten. Dies gilt auch für das (16) Ausmass der operativen Tätigkeiten der Gemeindeexekutive. Hier wäre zu erwarten, dass Gemeindeexekutiven, die sich auf strategische Themen fokussieren und vom operativen Tagesgeschäft möglichst absehen, mit mehr jungen Erwachsenen vertreten sind. Denn dies würde eine geringere Präsenz vor Ort bedeuten.

C. Wahl- und Rekrutierungsprozess

Die Gemeinden unterscheiden sich in ihren Wahl- und Rekrutierungsprozessen. Dazu zählen zum einen die Bemühungen der Gemeinde, junge Erwachsene für ein Gemeindeexekutivamt zu gewinnen, zum anderen prozessuale Faktoren wie z.B. das (21) Wissen junger Erwachsener, welche Schritte für eine Kandidatur und Wahl notwendig sind. Dass im Wahl- und Rekrutierungsprozess vor allem die (20) Anfrage Einfluss auf die Rekrutierung junger Erwachsener für die Gemeindeexekutive hat, erstaunt nicht. Werden genügend junge Erwachsene für eine Kandidatur angefragt, stehen die Chancen besser, dass junge Erwachsene den Sprung in die Gemeindeexekutive schaffen. Aus den Ergebnissen lässt sich ableiten, dass die Gemeinden mit Rekrutierungsschwierigkeiten offenbar noch zu wenig Junge ansprechen oder dies womöglich mit den falschen Mitteln resp. Inhalten. Das deckt sich mit Erkenntnissen aus Studien, welche die Bedürfnisse und Erfahrungen von jungen Erwachsenen untersucht haben (Derungs & Wellinger 2019; Golder et al. 2019). Alle anderen Eigenschaften des Wahl- und Rekrutierungsprozesses wie die (23) Bedeutung von externen Unterstützern, die (24) Nominierungschancen von jungen Erwachsenen oder die (25) abschreckende Wirkung von Kampfwahlen scheinen – zumindest aus Sicht der Gemeinden – keinen signifikanten Einfluss auf die Rekrutierungsschwierigkeiten von jungen Erwachsenen zu haben.

D. Kandidierende

Dass der (26) Kandidierendenpool für die Rekrutierung junger Erwachsener eine zentrale Rolle spielt, ist sachlogisch nachvollziehbar: Wenn sich zu wenig junge Erwachsene für ein Amt in der Gemeinde zur Verfügung stellen, hat die Gemeinde folglich auch Schwierigkeiten mit der Rekrutierung von jungen Erwachsenen.

Ob junge Erwachsene für die Gemeindepolitik sensibilisiert sind und daran teilhaben, hat hingegen keinen direkten Einfluss auf den Anteil junger Erwachsener in der Gemeindeexekutive. Eher ist davon auszugehen, dass sich die (27) politische Teilnahme und (28) Sensibilität der jungen Erwachsenen indirekt positiv auf die Rekrutierung und Besetzung der Gemeindeexekutive auswirkt. D.h. politisch interessierte Junge vergrössern potenziell den Kandidierendenpool.

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass junge Erwachsene besser in Gemeindeexekutiven vertreten sind, wo ein Mangel an qualitativ guten Kandidierenden wahrgenommen wird. Dies gilt in erster Linie in Bezug auf die (31) Sozialkompetenz. In diesen Fällen ist anzunehmen, dass junge Erwachsene sich bessere Wahlchancen ausrechnen oder sich eher trauen, sich für die Gemeindeexekutive aufstellen zu lassen.

E. und F. Strukturelle und politische Rahmenbedingungen

Die strukturellen und politischen Rahmenbedingungen können die Unterschiede in der Vertretung junger Erwachsener in den Gemeinden nur punktuell erklären. Dies deckt sich mit anderen Studien, die die Rekrutierungsproblematik als schweizweites Phänomen erachten, das sehr viele Gemeinden betrifft (Ladner et al. 2013: 13f.). Die vorliegenden Ergebnisse kommen zum Schluss, dass Gemeinden mit einem niedrigen (35) Bevölkerungswachstum mehr junge Erwachsene in den Gemeindeexekutiven aufweisen. Dies wird auch durch das (38) Proporzwahlverfahren begünstigt. Anscheinend sind die Wahlchancen für unbekanntere, jüngere Personen tendenziell höher als im Majorzwahlverfahren.

Der Einflussfaktor (37) Gemeindeparlament ist besonders hervorzuheben. Aus theoretischer Perspektive erleichtert ein Parlament zum einen die Nachwuchsförderung, weil dieses potenziell einen niederschwelligen Einstieg in die Gemeindepolitik bietet. Dabei erlaubt es jungen Erwachsenen, sich erste politische Kenntnisse anzueignen, und Lokalparteien, Talente zu erkennen und systematisch aufzubauen. Zum anderen jedoch benötigt ein Parlament zusätzliche Personen, die in der Gemeinde erst rekrutiert werden müssen. Die vorliegenden Ergebnisse stützen die These, wonach ein Gemeindeparlament die Rekrutierung junger Erwachsener vereinfacht. Allerdings ist ein Parlament vor allem für grössere Gemeinden geeignet und erklärt Unterschiede im Anteil junger Erwachsener in den Gemeindeexekutiven nur bedingt. Entsprechend verschwindet der signifikante Zusammenhang, wenn der moderierende Effekt der Gemeindegrösse berücksichtigt resp. kontrolliert wird.

5 Schlussfolgerungen

Der Eindruck und die Rückmeldungen aus der Gemeindepraxis lassen sich bestätigen: Ungeachtet der institutionellen Rahmenbedingungen haben viele Gemeinden Mühe, ihre Gemeindeexekutiven mit genügend qualifizierten Personen zu besetzen. Insbesondere gelingt es kaum, junge Erwachsene für die Mitarbeit in der Exekutive zu gewinnen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie sind zum einen in den wandelnden Bedürfnissen und Ansprüche der jungen Erwachsenen zu finden. Dazu zählen die mangelnde zeitliche Verfügbarkeit aufgrund von Beruf, Freizeit und Familie, die zeitlich lange Verpflichtung und der Wunsch, sich persönlich ungebunden weiterzuentwickeln (vgl. Derungs & Wellinger 2019: 16). Zum anderen liegt es auch an den Eigenschaften des Amtes selbst. Dieses hat stark formellen Charakter mit hoheitlichen Aufgaben und weitreichenden Entscheidungskompetenzen. All dies hat gegenüber früher an Anziehungskraft verloren. Politisch emotional aufgeladenen Diskussionen im Schaufenster der lokalen Öffentlichkeit wirken auf junge Erwachsene wohl eher abschreckend. Vor diesem Hintergrund ist es für Gemeinden herausfordernd, wirksame Reformmassnahmen zu finden, um für die Gemeindeexekutive wieder einfacher geeignete Personen – speziell junge Erwachsene – rekrutieren zu können. Dies wäre allerdings wichtig, umso mehr das Schweizer Milizsystem ein politisches Engagement ihrer Bevölkerung in der Gemeindepolitik voraussetzt. Ziehen sich «gediente» Gemeindepolitiker und -innen flächendeckend zurück, droht eine institutionelle Krise.

Die vorliegende empirische Untersuchung gibt Hinweise, wo Reformmassnahmen ansetzen müssten, um die Rekrutierungsproblematik zu entschärfen und letztlich den Anteil junger Erwachsener in den Gemeindeexekutiven zu erhöhen. Weniger ausgeprägt sind die Rekrutierungsschwierigkeiten bei jungen Erwachsenen in Gemeinden, wo die Anzahl Sitzungen begrenzt und der Sitzungsrhythmus flexibel gestaltet wird. All dies deutet darauf hin, dass Massnahmen dann wirksam sind, wenn sie den Aufwand für das politische Engagement in der Gemeinde begrenzen und den Einsatz flexibilisieren.

Des Weiteren ist es für die Rekrutierung entscheidend, junge Erwachsene systematisch für ein politisches Mandat in der Gemeindeexekutive anzugehen resp. direkt anzusprechen – nicht erst, wenn die Gemeinde ihre Exekutive nicht mehr mit älteren Personen besetzen kann. Dies legt den Schluss nahe, dass der Aufbau und die Entwicklung von politischen Nachwuchskräften in der Gemeinde langfristig ausgerichtet sein müssen. Dann stehen die Chancen besser, dass sich in der Gemeinde ein Pool von jungen politisch Interessierten bildet, die sich für ein Amt in der Gemeindepolitik zur Verfügung stellen – wenn nicht heute, dann morgen. Dazu hilft es, wenn Jugendliche und junge Erwachsene für die gestalterischen Möglichkeiten in der Gemeindepolitik sensibilisiert sind und praktische Erfahrungen mit den politischen Entscheidungsprozessen – z.B. in Projekten – machen können. Vor diesem Hintergrund spricht vieles dafür, den Aufbau eines tragfähigen Pools an politisch interessierten jungen Erwachsenen in Zukunft stärker in den Fokus zu rücken. Zugleich ist gegenüber jungen Erwachsenen der Weg in die Gemeindeexekutive deutlicher zu kommunizieren.

Schliesslich haben bisherige Studien die politische Partizipation auf lokaler Ebene in erster Linie mit ressourcen-basierten oder motivational-persönlichen Faktoren der Bevölkerung begründet. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass auch institutionelle Faktoren die politische Partizipation – hier für junge Erwachsene – in der Gemeinde beeinflussen können. Insofern erweitert die vorliegende Studie die theoretischen Erklärungsansätze in der kommunalen Partizipationsforschung und ruft dazu auf, die institutionellen Wirkungsbeziehungen weiter und vertieft zu untersuchen.

Additional Files

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Anhang 1

PROMO 35 – Umfrage «Junge Erwachsene in der Gemeindeexekutive». DOI: https://doi.org/10.5334/ssas.130.s1

Anhang 2

Repräsentativität. DOI: https://doi.org/10.5334/ssas.130.s2

Anhang 3

Detaillierte Auswertung. DOI: https://doi.org/10.5334/ssas.130.s3

Notes

1Vorgängig wurde eine explorative Faktor-Analyse durchgeführt. Das Kaiser-Meyer-Olkin Measure of Sampling Adequacy (KMO = .540) weist darauf hin, dass sich die Variablen nicht für eine Faktoranalyse als Alternative eignen. 

2Für die Variablen Gemeindetyp (V33) und Grossregion (V36) wurde eine ANOVA durchgeführt. Die Resultate befinden sich in Anhang 3. 

3Die Variablen (33) Gemeindetyp und (36) Grossregion wurden mittels einer ANOVA untersucht, wobei für letztere ein signifikanter Einfluss festzustellen ist. Die Detailergebnisse sind im Anhang 3 ersichtlich. 

Konkurrierende Interessen

Die Autorinnen und Autoren haben keine konkurrierenden Interessen zu erklären.

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